Danballa, Damballa, Damballah, Dambalah – die Große Schlange



Rituelle Schlangenverehrung stellt vielleicht die älteste Religion der Welt dar (vgl. http://www.sciencedaily.com/releases…1130081347.htm). Göttliche Schlangen, Schöpferschlangen, gibt es in den verschiedensten Kulturen, Schlangen- und Drachendämonen existieren unzählige. 

Python stone. (Photo Credit: Sheila Coulson)Die Schlange verwischt die Gegensätze und die Geschlechter. Sie ist gleichzeitig männlich und weiblich, und wie so viele der großen Schöpfergottheiten, deren ursprüngliche Darstellung immer die Form einer kosmischen Schlange hat, ist sie ihr eigener Zwilling. Demnach stellt die sichtbare Schlange lediglich eine kurze Inkarnation einer Großen Unsichtbaren Schlange dar, ursächlich und zeitlos, Herrin des Lebensprinzips und der Naturkräfte. Sie ist die primäre alte Gottheit, die wir zu Beginn aller Kosmogenesen finden, ehe sie vom Monotheismus und der Vernunft entthront wird.
(Jean Chevalier und Alain Gheerbrant, Dictionnaire des Symboles, zitiert nach: Jeremy Narby, Die kosmische Schlange)

Die Schlange in ihrem "positiven" Aspekt, der durch das Wasser repräsentiert wird, steht für Leben, Wiedergeburt, Weisheit, den Kontakt mit dem Unterbewussten. Der "negative" Aspekt ist eher dem Feuer zugeordnet: Der große Drache, der Zerstörung und Unheil bringt, das Triebhafte, Dämonische. Da die kosmische Schlange aber eigentlich, wie in den obigen Zitat beschrieben, genau wie unsere DNS als Schöpferin allen Lebens, eine Doppelschlange ist, verbindet sie beide Aspekte, stellt einerseits das ursprüngliche Chaos, andererseits, in der Vereinigung von Feuer und Wasser, aber auch das Endergebnis des Großen Werkes dar. Bildquelle.: Python stone. (Photo Credit: Sheila Coulson)

Die Schlange ist das, was wir lieben, erstreben und anbeten: das Leben, die Schöpfung, die Quelle, das formende Prinzip, der Kontakt zu unserem innersten Wesen. Gleichzeitig ist sie das, was wir hassen, fliehen und fürchten: das Chaos in uns selbst, unsere Triebe und inneren Dämonen, die Zerstörung von Strukturen, denen wir anhaften, alles, was wir ablehnen. Auch die göttliche Kraft in uns, die Kundalini, wird in der Hindu-Tradition als Schlange dargestellt. Und natürlich steht die Schlange auch für Sexualität, was, je nach Zusammenhang und Glaubensrichtung, positiv oder negativ gewertet werden kann.

Ein Mythos von Damballa erzählt:

Vor langer Zeit erschuf der Schlangengeist Danbala die Welt. Er nahm seine 7.000 Windungen, um die Sterne und Planeten an den Himmeln und die Hügel und Täler auf der Erde zu formen. Er nahm Blitze, um Metalle zu schmieden und die heiligen Felsen und Steine zu machen. Als er seine Haut abwarf, erschuf er alle Wässer auf der Erde. Und als die Sonne durch den Nebel schien, der auf den Pflanzen und Bäumen lag, war ein Regenbogen geboren. Ihr Name war Ayida Wedo. Danbala liebte sie und machte sie zu seiner Frau. Sie sind heute noch zusammen, die Schlange und der Regenbogen. Danbala und Ayida Wedo.
Quelle: American Museum of Natural History, http://www.amnh.org/exhibitions/vodou/spirits4.html

Damballa spendet Trost und Hoffnung und wird teilweise sogar mit der höchsten göttlichen Kraft, dem "Bon Dieu" gleichgesetzt oder gilt als deren erste Verkörperung. Sein Symbol ist – neben Wasser und dem Regenbogen, den seine Frau verkörpert – das Ei, seine Farbe ist weiß oder, angelehnt an Ayida Wedo, die Farben des Regenbogens. Opfergaben sind oft nur ein weißes Ei auf einem Haufen Mehl und ein Bassin mit Wasser, manchmal auch Milch, weiße Anisette und Maissirup oder Zuckerwasser. Damballa ist so alt und ursprünglich, dass er normalerweise nicht spricht, sondern sich allenfalls durch ein Zischeln äußert. Von ihm Gerittene winden sich meist wie Schlangen oder kriechen am Boden. Ansonsten soll man seine Anwesenheit als ein Gefühl von Harmonie und Lebensfreude spüren. Neben Ayida Wedo wird häufig auch Erzulie Freda als seine Frau oder Geliebte genannt.

Als christlicher Heiliger wird meist St. Patrick mit ihm assoziiert, welcher der Legende nach die Schlangen aus Irland vertrieben haben soll. Außerdem werden Moses als Überbringer der 10 Gebote sowie manchmal auch St. Michael genannt. Allen dreien ist nicht nur eine Verbindung zu Schlangen bzw. Drachen, sondern auch zu Bergen gemeinsam. Letztere vielleicht als Ort, an dem man, fernab der Zivilisation, das Göttliche in der ungezähmten Natur erfahren kann.

 

 


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